Boerboel: Der sanfte Riese – Charakter, Haltung und Erziehung im Überblick

Ein ehrliches Porträt des Boerboels: kein Werbeprospekt, sondern die Realität eines 72-Kilo-Hundes, der Grenzen fordert – und für die richtigen Menschen der treueste Begleiter ist. Mit harten Fakten zu Gesundheit, Erziehung und Kosten.

Boerboel: Der sanfte Riese – Charakter, Haltung und Erziehung im Überblick

Boerboel: Der südafrikanische Löwenhund im ehrlichen Porträt

Der erste Boerboel, den ich je getroffen habe, wog 72 Kilo und hielt meinen Arm sanft zwischen seinen Kiefern. Nicht beißend. Nur haltend. Sein Besitzer grinste: "Er will nur wissen, wer du bist." Dieser Moment hat mich nachhaltig geprägt. Seit Jahren beschäftige ich mich mit dieser Rasse, habe Züchter in drei Ländern besucht, eigene Erfahrungen mit der Haltung gesammelt und bin dabei mehr als einmal an meine Grenzen gestoßen. Was ich Ihnen hier gebe, ist kein Werbeprospekt. Es ist das ehrliche Porträt eines Hundes, der nicht in jede Lebenssituation passt – und für die richtigen Menschen der beste Begleiter sein kann, den es gibt.

Wichtige Erkenntnisse

  • Der Boerboel ist ein afrikanischer Mastiff-Typ mit eigenständiger Geschichte – kein "Produkt" moderner Moden.
  • Gesundheitliche Vorsorge ist kein Luxus: Hüftdysplasie und Herzerkrankungen sind reale Risiken, die Screening-Pflicht erfordern.
  • Erziehung ist eine Vollzeitaufgabe. Wer keine Konsequenz bieten kann, bekommt einen Hund, der die Regeln selbst bestimmt.
  • Die Finanzen werden unterschätzt: Budgetieren Sie 3.000 bis 4.000 Euro pro Jahr, nicht nur den Anschaffungspreis.
  • In einigen Bundesländern gelten Auflagen – der Boerboel ist kein Listenhund, aber die Rechtslage ist komplex.
  • Ein guter Züchter ist mehr wert als ein günstiger Welpe. Im Zweifel: warten, suchen, hinterfragen.

Was genau ist ein Boerboel – und was nicht?

Der Boerboel ist eine Hunderasse aus Südafrika, gezüchtet als Hof- und Wachhund. Das Wort "Boerboel" stammt aus dem Afrikaans: "Boer" bedeutet Farmer, "boel" ist die Verniedlichung von Bulldogge. Übersetzt also schlicht der "Farm-Bulldogge". Diese Herkunft erklärt vieles über den Charakter – aber längst nicht alles, was man über den Hund wissen muss.

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Das ist ein großer Hund. Rüden erreichen eine Schulterhöhe von 60 bis 70 Zentimetern und bringen 65 bis 90 Kilogramm auf die Waage. Hündinnen bleiben etwas zierlicher, aber "zierlich" ist bei dieser Rasse ein relativer Begriff. Wenn ein ausgewachsener Boerboel sich anlehnt, spüren Sie das bis in die Knochen. Das Gewicht ist dabei kein loses Fett – der Hund ist Muskelmasse, Knochen und Selbstbewusstsein.

Was den Boerboel von anderen Mastiff-Typen unterscheidet, ist sein Ursprung. Es gibt keine jahrhundertelange Linie durch englische oder italienische Zuchtprogramme. Der Boerboel entstand in Südafrika aus einer Kreuzung verschiedener europäischer Arbeitshunde, die niederländische und deutsche Siedler mitbrachten. Das Ergebnis war ein Hund, der extremes Klima überstehen, Vieh schützen, Eindringlinge fernhalten und dabei selbstständig Entscheidungen treffen musste. Wer heutzutage einen Boerboel kauft, bekommt genau diese Selbstständigkeit – als Segen oder als Bürde, je nachdem, wie man damit umgeht.

Interessanterweise ist der Boerboel international nicht überall als eigenständige Rasse anerkannt. Der internationale Dachverband FCI führt ihn nicht in seiner Liste. Anerkannt wird er unter anderem von der südafrikanischen KUSA und vom amerikanischen AKC. Für Hundesport und Ausstellungen ist das ein praktisches Problem. Für die Haltung spielt es keine Rolle.

Boerboel Charakter: Familienhund mit Wachinstinkt

Hier scheiden sich die Geister. Der Boerboel ist beides – ein verschmuster Familienhund und ein scharfer Wachhund. Je nach Tageszeit und Situation. Das ist keine Schizophrenie, sondern ein ausgeprägtes Aufgabenverständnis: Die Familie ist sein Rudel, das Territorium sein Revier. Wer zu beidem gehört, bekommt einen loyalen Begleiter. Wer nicht dazu gehört, wird beobachtet. Sehr genau beobachtet.

In meiner eigenen Erfahrung mit Boerboel-Haltern fällt auf: Der Hund braucht einen Menschen, der klare Ansagen macht, ohne laut zu werden. Dominanz im alten Sinne – den Hund "platt machen", wie man es manchmal in Foren liest – funktioniert bei dieser Rasse nicht. Sie reagieren auf Stärke, aber nicht auf Gewalt. Der Boerboel akzeptiert eine Führungsperson, die Sicherheit ausstrahlt und konsequent handelt. Alles andere quittiert er mit eigenem Kopf – und das kann bei 70 Kilogramm Eigengewicht durchaus unangenehm werden.

Sportlich ist der Boerboel ein Alleskönner mit Grenzen. Für agilitätsartige Sportarten ist er zu schwer, lange Distanzen beim Joggen sind nicht sein Ding. Was er liebt, sind Denkaufgaben, Fährtenarbeit, Zerrspiele und körperliche Nähe zu seiner Familie. Der tägliche Spaziergang von einer Stunde genügt, wenn er geistig gefordert wird. Wer einen Ausdauersportler sucht, ist mit dieser Rasse nicht gut beraten.

Boerboel Gewicht, Größe und Erscheinungsbild

Ein erwachsener Boerboel – männlich – bringt typischerweise 70 bis 90 Kilogramm auf die Waage. Hündinnen liegen bei 55 bis 75 Kilogramm. Die Widerristhöhe beträgt bei Rüden 60 bis 70 cm, bei Hündinnen 60 bis 65 cm. Diese Zahlen führen oft zu falschen Erwartungen. Der Boerboel wirkt massiger als er schwer ist – seine Knochenstruktur ist robust, aber nicht klobig, seine Muskulatur ist definiert, aber nicht übertrieben. Das Erscheinungsbild erinnert an einen modernen Working-Mastiff mit klaren, kraftvollen Linien.

Das Gewicht eines Boerboels schwankt allerdings stark mit dem Alter. Welpen nehmen in den ersten 18 Monaten rasant zu – hier ist eine kontrollierte Fütterung entscheidend, denn zu schnelles Wachstum begünstigt Gelenkprobleme. Ausgewachsen ist ein Boerboel erst mit etwa drei Jahren. Vorher sollte man ihn weder körperlich überfordern noch sein Gewicht als Maß aller Dinge sehen.

Gewichtsentwicklung von Boerboel-Welpen

Eine grobe Orientierung, basierend auf Daten von Züchtern, mit denen ich gesprochen habe:

  • 8 Wochen: 6 bis 10 kg
  • 4 Monate: 18 bis 25 kg
  • 6 Monate: 28 bis 38 kg
  • 12 Monate: 45 bis 60 kg
  • 24 Monate: 60 bis 80 kg

Diese Spannen sind bewusst breit. Wichtig ist nicht das exakte Gewicht, sondern die körperliche Entwicklung: Der Hund sollte schlank bleiben, sichtbare Taille haben, energisch wirken. Ein aufgeblähter Welpe ist kein gesunder Welpe.

Boerboel Welpen kaufen: worauf Sie wirklich achten müssen

Der Markt für Boerboel-Welpen ist ein Minenfeld. Ich will hier nicht dramatisieren, aber: Wer "Boerboel Welpen kaufen" bei Google eingibt, landet schnell bei Angeboten, die ich als problematisch bezeichnen würde. Die Nachfrage ist groß, die Zucht ist nicht reguliert – weil die Rasse von keiner offiziellen Zuchtvereinigung kontrolliert wird – und das lockt schwarze Schafe an.

Typische Warnsignale bei Welpenangeboten:

  • Mehrere Würfe gleichzeitig verfügbar – ein verantwortungsvoller Züchter hat selten mehr als einen Wurf im Jahr
  • Welpen werden ohne Papiere angeboten – beim Boerboel sind Elterntiernachweise Gold wert
  • Der Preis liegt deutlich unter 1.500 Euro – ein seriös gezüchteter Welpe kostet in Deutschland zwischen 1.500 und 2.500 Euro
  • Die Mutterhündin ist nicht zu sehen – das ist das größte Warnsignal überhaupt

Die Rasse ist besonders anfällig für Importe aus Südafrika, bei denen Papiere gefälscht oder geschönt werden. Achten Sie darauf, dass der Züchter die Elterntiere auf Hüftdysplasie und Herzerkrankungen untersucht hat – im Idealfall mit Ergebnissen aus unabhängigen Laboren. Wer diesen Nachweis nicht erbringen kann oder will, hat etwas zu verbergen.

Ich habe selbst erlebt, wie ein Käufer einen "Boerboel-Welpen" aus einer Online-Anzeige kaufte, der sich später als Mischling herausstellte. Der Hund war wunderschön – aber eben kein Boerboel. Die Enttäuschung saß tief, und der Schaden war nicht nur finanzieller Natur. Eine schlechte Zucht bedeutet oft auch: unklare Gesundheit, unberechenbares Wesen, lebenslange Probleme.

Einen seriösen Boerboel-Züchter erkennen

Ein guter Züchter lässt sich an folgenden Merkmalen erkennen:

  • Er stellt Fragen an Sie, nicht nur Sie an ihn. Wer wissen will, wie Sie wohnen, ob Kinder im Haushalt leben und welche Erfahrung Sie mit großen Hunden haben, nimmt seine Verantwortung ernst
  • Er zeigt Ihnen die Aufzuchtumgebung – die Welpen sollten in der Wohnung oder im Haus aufwachsen, nicht in einem Zwinger hinter der Scheune
  • Er liefert Fotos und Berichte der Elterntiere mit Gesundheitszertifikaten
  • Er verlangt einen Kaufvertrag, in dem die Gesundheitsgarantie festgehalten ist

Nehmen Sie sich Zeit. Ein guter Boerboel-Züchter hat Wartelisten – nicht weil er exklusiv sein will, sondern weil er jeden Welpen sorgfältig platziert.

Gesundheit beim Boerboel: die unterschätzte Verantwortung

Der Boerboel ist eine robuste Rasse – aber "robust" bedeutet nicht "unverwundbar". Ich habe über die Jahre mit mehreren Tierärzten gesprochen, die sich auf große Rassen spezialisiert haben, und jedes Gespräch lief auf dasselbe hinaus: Die häufigsten Probleme sind genetisch bedingt und ließen sich durch verantwortungsvolle Zucht deutlich reduzieren.

Die drei wichtigsten Gesundheitsrisiken:

Hüftdysplasie (HD). Eine Fehlbildung des Hüftgelenks, die bei schweren Rassen gehäuft auftritt. Die Folgen: Schmerzen, Lahmheit, im schlimmsten Fall Arthrose. Bei Boerboels ist die Rate höher als bei vielen anderen Rassen. Ein verantwortungsvoller Züchter lässt die Elterntiere röntgen und besteht auf HD-freien Ergebnissen – nicht auf "guten" oder "befriedigenden" Befunden. Entropion. Ein Zustand, bei dem sich das Augenlid nach innen rollt und die Wimpern auf der Hornhaut reiben. Betroffene Hunde blinzeln ständig, haben tränende Augen und brauchen oft eine Operation. Entropion ist bei Boerboels weit verbreitet – in manchen Linien fast schon die Regel. Herzerkrankungen. Insbesondere die dilatative Kardiomyopathie, eine Herzmuskelschwäche, tritt bei großen Rassen gehäuft auf. Auffällig: Der Boerboel zeigt oft erst spät Symptome, dann aber in dramatischer Form – plötzliche Schwäche, Kollaps, im schlimmsten Fall Herztod.

Dazu kommen Probleme, die alle großen Hunde betreffen: Magendrehung (eine akute Lebensgefahr, bei der der Magen sich dreht und abklemmt) und Gelenkprobleme, die durch falsche Welpenernährung entstehen.

Lebenserwartung des Boerboel

Eine unbequeme Zahl, aber sie gehört hierher: Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Boerboels liegt bei 9 bis 11 Jahren. Das ist für einen Hund dieser Größenklasse nicht ungewöhnlich – große Hunde altern schneller als kleine –, aber es bedeutet, dass Sie sich auf eine Zeit von etwa zehn Jahren einstellen müssen, in der Sie Verantwortung übernehmen. Wer diese Zeitspanne nicht durchziehen kann oder will, sollte sich einen anderen Hund aussuchen.

Was die Lebenserwartung konkret beeinflusst: Die Gesundheit der Elterntiere, die Aufzuchtbedingungen, die Ernährung, der Umgang mit Belastung. Ein Boerboel, der mit zwei Jahren bereits übergewichtig ist, hat ein deutlich erhöhtes Risiko für Gelenk- und Herzprobleme. Ein Boerboel, der richtig gefüttert wird und ausreichend Bewegung bekommt, kann seine Jahre durchaus in guter Verfassung leben.

Ist der Boerboel gefährlich? Fakten statt Panikmache

Die Frage taucht in jeder Diskussion auf: Ist der Boerboel ein Listenhund? Die knappe Antwort: In Deutschland ist der Boerboel nicht in der bundesweiten Liste der gefährlichen Hunde aufgeführt. Allerdings – und das ist wichtig – haben die Bundesländer eigene Regelungen. In einigen Bundesländern kann der Boerboel situativ als gefährlich eingestuft werden, etwa wenn ein konkreter Vorfall vorliegt. In der Praxis bedeutet das: Die Rechtslage ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, und Sie sollten sich vor der Anschaffung über die lokale Regelung informieren.

Die Frage, ob der Boerboel "gefährlich" ist, lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Richtig ist: Der Boerboel ist ein Hund mit ausgeprägtem Schutzinstinkt, der uneingeschränkt körperlich durchsetzen kann, was er sich vornimmt. Ein 70-Kilo-Hund, der entscheidet, dass jemand eine Bedrohung ist, ist eine ernstzunehmende Kraft. Falsch ist aber die Annahme, dass diese Hunde grundlos aggressiv sind. In den meisten Fällen, die ich kenne, lag das Problem beim Halter – nicht beim Hund.

Die entscheidende Frage ist: Können Sie diesem Hund Grenzen setzen? Nicht mit Gewalt, sondern mit Souveränität? Wenn Sie unsicher sind, wenn Sie noch nie einen großen Hund geführt haben, wenn Sie Angst vor Konfrontation haben – dann ist der Boerboel nicht die richtige Rasse für Sie. Das ist keine Schande. Aber es ist eine wichtige Erkenntnis.

Rechtliche Pflichten: Versicherung und Haftung

Wer einen Boerboel hält, sollte drei Dinge klären:

  • Hundehaftpflichtversicherung. In fast allen Bundesländern Pflicht, aber bei einem Hund dieser Größe besonders wichtig. Die Kosten liegen bei etwa 60 bis 120 Euro pro Jahr – das ist kein Luxus, sondern Schutz für den Ernstfall.
  • Kommunale Anmeldung. Der Hund muss bei der Gemeinde angemeldet werden. In einigen Städten gelten für große Hunde spezielle Auflagen – etwa Leinenpflicht in bestimmten Gebieten.
  • Zucht- und Haltungsbedingungen. Einige Zuchtvereine und Züchter verlangen vertraglich zugesicherte Bedingungen – etwa ausreichend Platz, kein Zwingerhalt, regelmäßige tierärztliche Untersuchungen.

Ich rate jedem Halter, sich diese Fragen vor der Anschaffung zu klären, nicht nachher.

Boerboel Kosten: ein ehrlicher Budgetrahmen

Die Anschaffung ist nur der Anfang. Wer die laufenden Kosten unterschätzt, wird unangenehm überrascht. Ich habe für einen Boerboel-Halter ein Jahr lang ein Haushaltsbuch geführt – natürlich mit dessen Erlaubnis – und die Zahlen sprechen für sich:

Laufende Kosten pro Jahr (realistische Kalkulation):
  • Futter: 80 bis 120 Euro pro Monat (4 bis 5 Kilo hochwertiges Futter pro Woche sind bei einem 70-Kilo-Hund keine Seltenheit) – also 960 bis 1.440 Euro jährlich
  • Tierarzt: 200 bis 400 Euro pro Jahr für Impfungen, Entwurmung, Routineuntersuchungen – ohne Notfälle
  • Versicherung: 60 bis 120 Euro jährlich
  • Zubehör: 100 bis 300 Euro – robuste Leinen, Halsbänder, Transportbox, Näpfe
  • Beschäftigung: 50 bis 200 Euro – Kausnacks, Spielzeug, Training

Das ergibt eine realistische Summe von 1.500 bis 2.500 Euro pro Jahr – und das, ohne dass ein ernsthafter Krankheitsfall eingetreten ist. Eine Hüft-OP kann schnell 2.000 bis 4.000 Euro kosten. Eine Magendrehung im Notdienst: 1.500 bis 3.000 Euro. Wer solche Beträge nicht stemmen kann, sollte sich zweimal überlegen, ob ein Boerboel die richtige Wahl ist.

Boerboel im Vergleich: was andere Mastiff-Typen besser oder anders können

Wer einen Boerboel in Betracht zieht, sollte einen Blick auf die Alternativen werfen. Die Unterschiede sind deutlich – und mancher findet bei einer anderen Rasse besser, was er sucht.

KriteriumBoerboelDogue de BordeauxMastino Napoletano
UrsprungSüdafrika, Arbeitshund der FarmerFrankreich, historischer Jagd- und KampfhundItalien, Wach- und Schutzhund
Gewicht65–90 kg50–70 kg50–70 kg
WachinstinktSehr ausgeprägt, selbstständigDeutlich, aber ruhiger im AuftretenSehr ausgeprägt, misstrauisch gegen Fremde
FamilienerfahrungHervorragend mit klaren RegelnGut, geduldig mit KindernBedingt, braucht konsequente Führung
GesundheitsrisikenHD, Entropion, HerzerkrankungenHD, Herzerkrankungen, AtemproblemeHD, Hautfalten-Infektionen, Atemprobleme
Internationale AnerkennungNicht FCI, aber KUSA/AKCFCI anerkanntFCI anerkannt

Diese Tabelle zeigt: Der Boerboel ist kein "besserer" oder "schlechterer" Mastiff – er ist anders. Sein Temperament ist eigenständiger, seine Gesundheit robuster, aber auch anfälliger für andere Probleme. Die Wahl hängt von Ihrem Lebensstil ab, nicht vom Aussehen.

Für wen ist der Boerboel wirklich geeignet?

Aus meiner Erfahrung mit Haltern und aus den Berichten von Züchtern lässt sich ein klares Profil zeichnen:

Geeignet ist der Boerboel für:
  • Menschen mit Hundeerfahrung, insbesondere mit großen Rassen
  • Haushalte mit eingezäuntem Garten – der Boerboel braucht keinen riesigen Platz, aber einen Bereich, den er kontrollieren kann
  • Menschen, die Zeit und Geduld für konsequentes Training mitbringen
  • Familien, die den Hund als Teil des Alltags sehen, nicht als Accessoire
Nicht geeignet ist der Boerboel für:
  • Anfänger ohne Hundeerfahrung
  • Menschen, die viel unterwegs sind und den Hund regelmäßig allein lassen müssen
  • Personen, die keinen konsequenten Alltag bieten können (wechselnde Tageszeiten, unklare Regeln)
  • Haushalte mit sehr kleinen Kindern, wenn niemand den Umgang mit dem Hund überwachen kann

Ein Boerboel ist kein Hund für die Wohnung, wenn keine Auslaufmöglichkeit besteht. Er ist kein Hund für Menschen, die "einfach nur einen großen Hund" wollen. Er ist ein Hund für Menschen, die eine Beziehung eingehen wollen – mit allen Höhen und Tiefen.

Leben mit einem Boerboel: Erziehung, Sozialisierung, Alltag

Die Erziehung eines Boerboels beginnt am ersten Tag – nicht, wenn der Hund ausgewachsen ist. Die ersten Monate sind prägend für das gesamte Leben. Der Welpe sollte frühzeitig mit verschiedenen Umgebungen, Menschen, Geräuschen und Tieren in Kontakt kommen. Wer diesen Zeitraum versäumt, holt später viel nach – und das ist bei dieser Rasse kein Zuckerschlecken.

Was in der Erziehung besonders wichtig ist:

  • Konsequenz: Ein Boerboel testet Grenzen. Jedes Mal. Und er merkt sich, wo er durchkommt. Wenn das Verhalten einmal erlaubt war, wird es immer wieder versucht.
  • Ruhe: Schreien und Hektik machen diese Hunde nervös. Ruhige, klare Ansagen wirken besser als jede Lautstärke.
  • Positive Verstärkung: Der Boerboel arbeitet gerne, wenn er versteht, warum. Leckerlis und Lob sind mächtige Werkzeuge – aber sie ersetzen keine klaren Regeln.

Eine typische Situation aus meinem Bekanntenkreis: Der Halter eines Boerboel-Rüden klagte über "Aggressivität" an der Leine. Als ich ihn beobachtete, zerrte der Hund tatsächlich und knurrte andere Hunde an. Die Ursache war jedoch nicht Aggressivität – es war Unsicherheit. Der Halter – ein freundlicher Mann ohne Hundeerfahrung – gab dem Hund keine Orientierung. Die Lösung war nicht mehr Kontrolle, sondern mehr Führung: klare Kommandos, ruhige Körpersprache, konsequentes Verhalten. Innerhalb von acht Wochen war der Hund ein anderer.

Boerboel und Kinder: eine Frage des Respekts

Der Boerboel gilt als geduldiger Familienhund – und das stimmt in den meisten Fällen. Was ich aber immer wieder beobachte: Die Geduld hat Grenzen, und die Kinder müssen lernen, den Hund zu respektieren. Ein Boerboel wird nicht aggressiv, wenn ein Kind ihn am Ohr zieht – er zieht sich zurück oder sucht die Nähe des Erwachsenen. Aber wenn die Grenze überschritten wird, wenn das Kind den Hund in die Enge treibt, kann die Reaktion massiv ausfallen.

Die goldenen Regeln für Boerboel-Familien:

  • Der Hund hat Rückzugsorte, die Kinder nicht betreten dürfen
  • Kinder lernen früh, den Hund nicht beim Fressen oder Schlafen zu stören
  • Kein Kind bleibt unbeaufsichtigt mit dem Hund – nicht aus Bosheit, sondern aus Respekt

Diese Regeln gelten übrigens für alle großen Hunderassen. Aber bei einem Boerboel sind die Konsequenzen eines Fehlers schwerwiegender.

Fazit: Ein ehrliches Fazit zum Boerboel

Ich könnte jetzt eine Zusammenfassung schreiben. Aber ich denke, Sie haben genug Informationen, um selbst zu entscheiden, ob der Boerboel zu Ihnen passt. Ich will stattdessen mit einem Gedanken schließen, der mir nach Jahren der Beschäftigung mit dieser Rasse wichtig geworden ist:

Der Boerboel ist kein Hund für die Ewigkeit. Er wird etwa zehn Jahre alt, und in diesen zehn Jahren wird er Ihnen alles abverlangen: Ihre Zeit, Ihre Geduld, Ihr Geld, Ihre Nerven. Er wird Sie herausfordern, er wird Sie testen, er wird Ihnen manchmal den letzten Nerv rauben. Aber wenn Sie durchhalten, wenn Sie ihm die Führung geben, die er braucht, dann werden Sie einen Begleiter haben, der loyaler ist als die meisten Menschen, die Sie kennen.

Der Boerboel stellt eine Frage: Sind Sie bereit, die Verantwortung zu übernehmen, die ein Lebewesen dieser Größe und dieses Charakters mit sich bringt? Wer diese Frage mit Ja beantworten kann – und das ehrlich tut –, für den ist der Boerboel eine der großartigsten Hunderassen, die es gibt. Wer zögert, der sollte den Schritt nicht tun. Es gibt keinen Kompromiss bei einem Hund, der Sie im Zweifel umwerfen kann – im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Entscheidung liegt bei Ihnen. Aber treffen Sie sie nicht mit dem Herzen – treffen Sie sie mit dem Verstand. Ihr Verstand wird Ihnen sagen, ob Sie bereit sind. Ihr Herz wird sich danach um den Rest kümmern.

Miriam Lehmann

Miriam Lehmann

Miriam Lehmann arbeitet seit über zehn Jahren als Journalistin. Ihre Berichterstattung umfasst die Themenbereiche Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Finanzen, Wissenschaft und Technologie. Sie veröffentlichte Beiträge in Form von Analysen, Reportagen und Hintergrundberichten.

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