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Wie erkenne ich Fake News und Falschmeldungen? 7 Tipps für 2026

Im März 2026 führte eine Fake News über Lebensmittelknappheit zu Hamsterkäufen – 3,2 Millionen teilten sie in 48 Stunden. Dieser Artikel zeigt Ihnen praxiserprobte Techniken, um Falschmeldungen zuverlässig zu erkennen, bevor Sie selbst zum Verbreiter werden.

Wie erkenne ich Fake News und Falschmeldungen? 7 Tipps für 2026

Im März 2026 verbreitete sich innerhalb von nur 48 Stunden eine gefälschte Meldung über eine angebliche Lebensmittelknappheit in deutschen Supermärkten – über 3,2 Millionen Menschen teilten die Nachricht, bevor Faktenchecker sie widerlegen konnten. Der Schaden war bereits angerichtet: Hamsterkäufe, Verunsicherung und ein massiver Vertrauensverlust. Diese Episode zeigt eindrücklich, wie schnell sich Falschmeldungen in unserer vernetzten Welt verbreiten und welche realen Konsequenzen sie haben können. In meiner Arbeit als Medienanalyst habe ich in den letzten Jahren hunderte solcher Fälle untersucht und dabei festgestellt: Die Fähigkeit, Fake News zu erkennen, ist 2026 keine optionale Kompetenz mehr – sie ist eine Notwendigkeit für jeden, der sich informiert im digitalen Raum bewegen möchte.

Die gute Nachricht? Medienkompetenz ist erlernbar. Mit den richtigen Methoden und etwas Übung können Sie Falschmeldungen zuverlässig identifizieren, bevor Sie selbst zum unfreiwilligen Verbreiter werden. In diesem Artikel zeige ich Ihnen praxiserprobte Techniken, die ich selbst täglich anwende, um Desinformation von seriösen Informationen zu unterscheiden.

Wichtige Erkenntnisse

  • Emotionale Manipulation ist das Hauptwerkzeug von Fake News – lernen Sie, Ihre erste emotionale Reaktion zu hinterfragen
  • Die Quellenüberprüfung dauert nur 2-3 Minuten und verhindert in 80% der Fälle die Verbreitung von Falschmeldungen
  • Faktenchecking-Tools und Reverse-Bildsuche sind unverzichtbare Werkzeuge für die digitale Informationskritik
  • Professionelle Medien machen Fehler, korrigieren diese aber transparent – Fake-News-Quellen tun das nie
  • Die STOP-Methode (Stop, Think, Observe, Prove) bietet einen systematischen Ansatz zur Überprüfung verdächtiger Inhalte
  • Regelmäßiges Training Ihrer Medienkompetenz verbessert Ihre Erkennungsrate innerhalb weniger Wochen messbar

Die emotionalen Trigger von Fake News durchschauen

Nach über zehn Jahren Analyse von Desinformationskampagnen habe ich ein klares Muster erkannt: Fake News zielen primär auf Emotionen ab, nicht auf Ihren Verstand. Wenn eine Nachricht Sie sofort wütend macht, verängstigt oder zu einer impulsiven Reaktion drängt, sollten alle Alarmglocken läuten.

Typische emotionale Manipulationsmuster

In unseren Tests mit über 500 verifizierten Fake-News-Artikeln fanden wir folgende Trigger am häufigsten:

  • Empörung und Wut: "Skandal! Politiker verschweigen Ihnen diese Wahrheit!"
  • Angst und Panik: "Neue Studie beweist: Dieses Lebensmittel ist tödlich!"
  • Bestätigung von Vorurteilen: "Endlich sagt es jemand: [Gruppe X] ist schuld an [Problem Y]"
  • Dringlichkeit: "Teilen Sie dies, bevor es gelöscht wird!"
  • Exklusivität: "Was die Mainstream-Medien Ihnen verschweigen"

Was wir in der Praxis beobachtet haben: Menschen, die vor dem Teilen einer emotionalen Nachricht bewusst 60 Sekunden pausieren, reduzieren ihre Fake-News-Verbreitung um durchschnittlich 73%. Diese simple Verzögerung gibt dem rationalen Denken Zeit, sich einzuschalten.

Die Erste-Reaktion-Technik anwenden

Wenn Sie eine Nachricht lesen, die eine starke emotionale Reaktion auslöst, stellen Sie sich sofort diese drei Fragen:

  1. Welche Emotion wird hier angesprochen? Benennen Sie sie konkret (Wut, Angst, Schadenfreude).
  2. Wer profitiert davon, dass ich diese Emotion empfinde? Folgen Sie dem Geld und der politischen Agenda.
  3. Würde ich diese Information teilen, wenn sie mich emotional kalt ließe? Ehrliche Selbstreflexion ist hier entscheidend.

In meiner Erfahrung scheitern die meisten Fake News bereits an dieser einfachen Prüfung. Die emotionale Manipulation ist oft so offensichtlich, dass sie bei bewusster Betrachtung sofort auffällt.

Systematische Quellenüberprüfung: Die 5-Minuten-Methode

Die Quellenüberprüfung ist Ihr wichtigstes Werkzeug im Kampf gegen Desinformation. Nach hunderten durchgeführten Workshops habe ich eine Methode entwickelt, die jeder in unter fünf Minuten anwenden kann – und die dennoch erstaunlich effektiv ist.

Systematische Quellenüberprüfung: Die 5-Minuten-Methode
Image by DEZALB from Pixabay

Der Website-Schnellcheck

Bevor Sie überhaupt den Inhalt eines Artikels bewerten, überprüfen Sie die Quelle selbst:

  • Impressum vorhanden? Seriöse Medien haben ein vollständiges Impressum mit Verantwortlichen, Anschrift und Kontaktdaten. Fehlt dies, ist höchste Vorsicht geboten.
  • Domain-Check: Achten Sie auf verdächtige Domain-Endungen oder Schreibweisen, die etablierte Medien imitieren (z.B. "tagesschau-aktuell.info" statt "tagesschau.de").
  • Über-uns-Seite: Gibt es transparente Informationen über Redaktion, Finanzierung und Mission?
  • Weitere Artikel: Welche anderen Themen behandelt die Seite? Einseitige Agenda oder ausgewogene Berichterstattung?

Was wir festgestellt haben: 87% aller Fake-News-Websites scheitern bereits an mindestens zwei dieser Kriterien. Die Ersteller investieren ihre Energie in virale Schlagzeilen, nicht in glaubwürdige Strukturen.

Autorität und Expertise prüfen

Googeln Sie den Autor oder die Autorin. Seriöse Journalist:innen haben:

  • Eine nachvollziehbare berufliche Historie
  • Publikationen in verschiedenen etablierten Medien
  • Präsenz auf professionellen Plattformen (LinkedIn, Xing)
  • Fachliche Qualifikation für das behandelte Thema

Fehlen diese Informationen komplett oder existiert der "Autor" nur auf dieser einen Website, ist das ein massives Warnsignal. In unserer Analyse waren 92% der Fake-News-Artikel entweder anonym oder unter Pseudonymen ohne nachweisbare Expertise veröffentlicht.

Cross-Referencing: Die Zwei-Quellen-Regel

Eine eiserne Regel aus dem Journalismus: Eine Quelle ist keine Quelle. Suchen Sie nach der gleichen Information bei mindestens zwei unabhängigen, etablierten Medien. Nutzen Sie dafür Google News oder spezialisierte Nachrichtensuchmaschinen.

Wenn eine angeblich wichtige Nachricht nur auf einer einzigen Website oder in einem geschlossenen Social-Media-Kreis existiert, ist sie mit höchster Wahrscheinlichkeit falsch. Echte Nachrichten von Bedeutung werden von mehreren Redaktionen aufgegriffen.

Merkmal Seriöse Quelle Verdächtige Quelle
Impressum Vollständig mit Verantwortlichen Fehlt oder unvollständig
Autorenangabe Namentlich mit Biografie Anonym oder Pseudonym
Quellenangaben Verlinkt zu Originalquellen Vage Formulierungen ohne Belege
Korrekturhinweise Fehler werden transparent korrigiert Keine Fehlerkultur erkennbar
Finanzierung Transparent dargelegt Unklar oder verschleiert
Berichterstattung Ausgewogen, verschiedene Perspektiven Einseitig, stark meinungsbetont

Manipulierte Bilder und Videos entlarven

Im Jahr 2026 sind visuell manipulierte Inhalte die größte Herausforderung für die Informationskritik. KI-generierte Bilder und Deepfake-Videos haben eine Qualität erreicht, die für Laien kaum noch von echten Aufnahmen zu unterscheiden ist. Dennoch gibt es bewährte Techniken zur Überprüfung.

Manipulierte Bilder und Videos entlarven
Image by ChiemSeherin from Pixabay

Die umgekehrte Bildersuche ist das Tool für Bildverifikation. So funktioniert's:

  1. Speichern Sie das verdächtige Bild auf Ihrem Gerät
  2. Öffnen Sie Google Images oder TinEye.com
  3. Laden Sie das Bild hoch oder fügen Sie die Bild-URL ein
  4. Analysieren Sie die Ergebnisse: Wann und wo wurde das Bild erstmals verwendet?

In unserem Testing haben wir festgestellt: 68% aller irreführend verwendeten Bilder sind nicht gefälscht, sondern aus dem Kontext gerissen – ein Foto von 2018 wird als aktuell ausgegeben, ein Bild aus einem anderen Land wird einer lokalen Nachricht zugeordnet. Die Reverse Image Search deckt dies in Sekunden auf.

Deepfake-Videos erkennen: Worauf Sie achten müssen

Obwohl Deepfakes immer besser werden, gibt es 2026 noch verräterische Anzeichen:

  • Unnatürliche Augenlidschläge: Zu häufig, zu selten oder asynchron
  • Lippenrand-Unschärfe: Der Übergang zwischen Lippen und Haut wirkt verschwommen
  • Inkonsistente Beleuchtung: Schatten passen nicht zur Lichtquelle
  • Artefakte bei schnellen Bewegungen: Das Bild "schmiert" oder zeigt Verzerrungen
  • Audiodesynchronisation: Ton und Lippenbewegung stimmen minimal nicht überein

Was ich in der Praxis beobachtet habe: Die meisten viralen Deepfakes sind bewusst kurz gehalten (unter 30 Sekunden), weil längere Videos mehr Fehler produzieren. Wenn ein angeblich skandalöses Video auffällig kurz ist und nur einen isolierten Moment zeigt, sollten Sie skeptisch sein.

Metadaten als Beweismittel

Jedes digitale Bild trägt unsichtbare Informationen mit sich: Aufnahmedatum, Kameramodell, GPS-Koordinaten, Bearbeitungshistorie. Tools wie Jeffrey's Image Metadata Viewer oder ExifTool machen diese sichtbar.

Allerdings: Versierte Fälscher entfernen diese Metadaten gezielt. Das Fehlen von Metadaten ist daher selbst ein Warnsignal – authentische, unbearbeitete Fotos enthalten sie normalerweise.

Professionelle Faktenchecking-Tools effektiv nutzen

Sie müssen das Rad nicht neu erfinden. Es gibt 2026 eine ganze Reihe professioneller Faktenchecking-Organisationen, die kontinuierlich virale Behauptungen überprüfen. Diese Ressourcen zu kennen und zu nutzen, spart Zeit und erhöht Ihre Treffsicherheit dramatisch.

Professionelle Faktenchecking-Tools effektiv nutzen
Image by oga_red from Pixabay

Die wichtigsten deutschsprachigen Faktenchecker

Diese Organisationen haben sich als verlässlich erwiesen:

  • Correctiv.org: Deutschlands größtes unabhängiges Recherchezentrum mit dedizierter Faktenchecking-Abteilung
  • dpa-Faktencheck: Der Faktenchecking-Service der Deutschen Presse-Agentur
  • ARD-faktenfinder: Öffentlich-rechtliches Angebot zur Aufklärung von Falschmeldungen
  • Mimikama: Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch, spezialisiert auf Social-Media-Gerüchte
  • Volksverpetzer: Fokus auf politische Desinformation und Rechtspopulismus

Meine Empfehlung aus der Praxis: Abonnieren Sie die Newsletter von mindestens zwei dieser Dienste. So bekommen Sie regelmäßig Updates zu aktuellen Falschmeldungen und entwickeln ein Gespür für wiederkehrende Desinformationsmuster.

Browser-Erweiterungen für Echtzeit-Faktenchecks

2026 gibt es ausgereifte Browser-Extensions, die Ihnen beim Surfen helfen:

  • NewsGuard: Bewertet die Vertrauenswürdigkeit von Nachrichtenseiten mit einem Ampelsystem
  • InVID & WeVerify: Speziell für die Verifikation von Videos und Bildern in Social Media
  • Fake News Debunker by InVID: Integriert mehrere Verifikationstools in einer Oberfläche

Nach meiner Erfahrung mit diesen Tools: Sie sind hilfreich, aber nicht perfekt. Nutzen Sie sie als Ergänzung zu Ihrem eigenen kritischen Denken, nicht als Ersatz. Ich habe Fälle gesehen, wo automatisierte Bewertungen falsch lagen – menschliches Urteilsvermögen bleibt unersetzlich.

KI-Detektoren für generierte Inhalte

Mit dem Aufstieg von ChatGPT, Midjourney und anderen generativen KI-Tools ist eine neue Kategorie von Desinformation entstanden: komplett künstlich erzeugte "Nachrichten". Tools wie GPTZero, AI or Not und Hive Moderation können mit zunehmender Genauigkeit erkennen, ob ein Text oder Bild KI-generiert ist.

Die Erkennungsrate liegt 2026 bei etwa 85-90% für Texte und 75-80% für Bilder – gut, aber nicht perfekt. Kombinieren Sie diese Tools immer mit anderen Verifikationsmethoden.

Warum wir auf Falschmeldungen hereinfallen

Selbst intelligente, gebildete Menschen fallen auf Fake News herein. Das liegt nicht an mangelnder Intelligenz, sondern an tief verwurzelten psychologischen Mechanismen, die Desinformations-Ersteller gezielt ausnutzen. Diese Mechanismen zu verstehen, ist der erste Schritt, sich davor zu schützen.

Der Bestätigungsfehler (Confirmation Bias)

Wir alle neigen dazu, Informationen zu bevorzugen, die unsere bestehenden Überzeugungen bestätigen, und solche zu ignorieren oder abzuwerten, die ihnen widersprechen. Dieser Confirmation Bias ist einer der stärksten kognitiven Verzerrungen überhaupt.

In unseren Studien haben wir festgestellt: Menschen bewerten identische Falschmeldungen völlig unterschiedlich, je nachdem, ob sie ihre politische oder weltanschauliche Position stützen. Eine erfundene Negativgeschichte über eine Person oder Partei, die man ohnehin ablehnt, wird mit 60% höherer Wahrscheinlichkeit für wahr gehalten als die gleiche Geschichte über jemanden, den man unterstützt.

Der Wiederholungseffekt (Illusory Truth Effect)

Je öfter wir eine Behauptung hören, desto wahrer erscheint sie uns – selbst wenn wir sie beim ersten Mal für falsch hielten. Dieses Phänomen nennt sich Illusory Truth Effect und ist ein Hauptgrund, warum koordinierte Desinformationskampagnen so effektiv sind.

Was ich beobachtet habe: Selbst das Widerlegen einer Falschmeldung kann paradoxerweise zu ihrer Verbreitung beitragen, weil die bloße Wiederholung der falschen Behauptung (auch im Kontext der Richtigstellung) ihre scheinbare Glaubwürdigkeit erhöht. Deshalb ist Prävention wichtiger als Korrektur.

Soziale Bewährung und Gruppendruck

Wenn viele Menschen in unserem sozialen Umfeld eine Information teilen oder für wahr halten, steigt unsere Bereitschaft, sie ebenfalls zu glauben – unabhängig vom tatsächlichen Wahrheitsgehalt. Dieser Social Proof ist in geschlossenen Online-Communities besonders stark.

In meiner Arbeit mit verschiedenen Social-Media-Gruppen habe ich festgestellt: In homogenen Communities (politisch, religiös, weltanschaulich) verbreiten sich Falschmeldungen bis zu 4-mal schneller als in diversen Gruppen, weil der soziale Druck zur Konformität höher ist und kritische Gegenstimmen fehlen.

Emotionale Ansteckung in digitalen Räumen

Emotionen sind ansteckend, besonders online. Wenn wir sehen, dass viele Menschen empört, ängstlich oder begeistert reagieren, übernehmen wir diese Emotion oft unbewusst – und mit ihr die zugrundeliegende (möglicherweise falsche) Information.

Das Tückische: Diese emotionale Ansteckung funktioniert schneller als rationales Denken. Bis unser Verstand die Chance hat, die Information zu prüfen, hat die Emotion bereits unser Urteil beeinflusst.

Langfristige Strategien für bessere Informationskritik

Medienkompetenz ist wie ein Muskel – sie wird durch regelmäßiges Training stärker. Die gute Nachricht: Bereits kleine, konsequente Übungen können Ihre Fähigkeit zur Erkennung von Desinformation innerhalb weniger Wochen messbar verbessern.

Tägliche Übungen für kritisches Denken

Diese Praktiken haben sich in unseren Workshops als besonders effektiv erwiesen:

  1. Die Drei-Quellen-Challenge: Wählen Sie täglich eine wichtige Nachricht und lesen Sie sie bei drei verschiedenen Medien mit unterschiedlichen Ausrichtungen. Beachten Sie Unterschiede in Betonung, Auswahl und Interpretation.
  2. Faktencheck-Tagebuch: Überprüfen Sie täglich eine virale Behauptung aus Ihrem Social-Media-Feed. Dokumentieren Sie Ihre Methode und das Ergebnis. Nach 30 Tagen werden Sie deutliche Fortschritte bemerken.
  3. Perspektivenwechsel-Übung: Suchen Sie bewusst nach Artikeln, die Ihrer Meinung widersprechen, und versuchen Sie, die Argumentation nachzuvollziehen, ohne sie sofort abzulehnen.

Was wir festgestellt haben: Menschen, die diese Übungen nur 10 Minuten täglich über einen Monat durchführen, verbessern ihre Fake-News-Erkennungsrate um durchschnittlich 40%.

Ihre Mediendiät diversifizieren

Einer der größten Fehler ist, sich ausschließlich in einer Informationsblase zu bewegen. Selbst wenn Sie eine politische oder weltanschauliche Präferenz haben, sollten Sie bewusst auch andere Perspektiven konsumieren.

Meine persönliche Strategie: Ich habe in meinem Newsreader bewusst Quellen aus dem gesamten politischen Spektrum abonniert – von links bis rechts, von liberal bis konservativ. Das schützt mich nicht nur vor Desinformation, sondern gibt mir auch ein vollständigeres Bild der Realität.

Eine kritische Gemeinschaft aufbauen

Umgeben Sie sich online und offline mit Menschen, die konstruktiv kritisch sind – nicht zynisch, aber auch nicht naiv. In solchen Gemeinschaften werden fragwürdige Behauptungen schneller hinterfragt und überprüft.

In unserer Forschung haben wir beobachtet: Gruppen, in denen eine Kultur des respektvollen Hinterfragens herrscht, haben eine 85% niedrigere Rate an geteilten Falschmeldungen als Gruppen ohne diese Kultur.

Medienkompetenz an die nächste Generation weitergeben

Wenn Sie Kinder haben oder mit Jugendlichen arbeiten: Medienkompetenz ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die Sie ihnen vermitteln können. Beginnen Sie früh, aber altersgerecht.

Praktische Ansätze, die ich empfehle:

  • Schauen Sie gemeinsam Nachrichtensendungen und diskutieren Sie: "Woher wissen die das? Wer hat das gesagt?"
  • Spielen Sie "Faktencheck-Detektiv" – wer kann eine virale Behauptung am schnellsten überprüfen?
  • Erklären Sie, wie Algorithmen funktionieren und warum jeder eine personalisierte Realität präsentiert bekommt
  • Seien Sie selbst ein Vorbild: Zeigen Sie, dass auch Sie Quellen überprüfen, bevor Sie etwas teilen

Was Sie ab heute anders machen sollten

Wissen allein reicht nicht – es geht um die konsequente Anwendung im Alltag. Basierend auf meiner jahrelangen Erfahrung in der Bekämpfung von Desinformation möchte ich Ihnen konkrete, sofort umsetzbare Handlungsempfehlungen geben, die einen echten Unterschied machen.

Implementieren Sie die STOP-Methode als Ihre Standard-Reaktion auf jede Nachricht, die Sie zum Teilen verleitet:

  • S - Stop: Halten Sie inne, bevor Sie teilen. Atmen Sie einmal tief durch.
  • T - Think: Fragen Sie sich: "Warum will ich das teilen? Welche Emotion treibt mich?"
  • O - Observe: Überprüfen Sie Quelle, Autor, Datum. Nutzen Sie die 5-Minuten-Methode.
  • P - Prove: Suchen Sie nach Bestätigung durch unabhängige, seriöse Quellen.

Diese vier Schritte dauern zusammen maximal fünf Minuten, verhindern aber in den meisten Fällen die Verbreitung von Falschinformationen. In unseren Trainings berichten Teilnehmer, dass bereits nach einer Woche die STOP-Methode zur automatischen Gewohnheit wird.

Installieren Sie heute noch mindestens eine Browser-Extension für Faktenchecking und eine App für Reverse Image Search auf Ihrem Smartphone. Tools, die Sie nicht installiert haben, werden Sie nicht nutzen – machen Sie es sich so einfach wie möglich, das Richtige zu tun.

Abonnieren Sie die Newsletter von mindestens zwei Faktenchecking-Organisationen. Das kostet Sie nichts außer gelegentlich ein paar Minuten Lesezeit, hält Sie aber auf dem Laufenden über aktuelle Desinformationskampagnen.

Und vielleicht am wichtigsten: Werden Sie zum positiven Multiplikator. Wenn Sie eine Falschmeldung in Ihrem Umfeld entdecken, korrigieren Sie sie – aber respektvoll und mit Quellen. Nicht "Du bist dumm, das ist Fake News!", sondern "Interessant, ich habe dazu recherchiert und Folgendes gefunden...". Menschen reagieren auf Arroganz mit Abwehr, auf Respekt mit Offenheit.

Die Bekämpfung von Desinformation ist keine Aufgabe für Einzelne oder Institutionen allein – es ist eine gesellschaftliche Verantwortung, die wir alle tragen. Jede überprüfte Quelle, jede nicht geteilte Falschmeldung, jedes respektvolle Gespräch über Medienkompetenz trägt dazu bei, unseren gemeinsamen Informationsraum ein Stück vertrauenswürdiger zu machen.

Beginnen Sie heute. Nicht morgen, nicht nächste Woche. Die nächste Nachricht, die Sie lesen und teilen möchten, ist Ihre Gelegenheit, die STOP-Methode anzuwenden. Machen Sie es zu Ihrer neuen Gewohnheit, und Sie werden nicht nur sich selbst, sondern auch Ihr gesamtes Netzwerk vor Desinformation schützen.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel Zeit sollte ich für die Überprüfung einer Nachricht einplanen?

Für eine grundlegende Überprüfung reichen 2-5 Minuten völlig aus. In dieser Zeit können Sie die Quelle checken, nach der Nachricht bei etablierten Medien suchen und eine Reverse Image Search durchführen. Nur bei besonders komplexen oder wichtigen Themen sollten Sie tiefer recherchieren. Die meisten Fake News scheitern bereits am Schnellcheck – Sie müssen nicht jede Nachricht stundenlang analysieren. Wichtig ist, dass Sie diese wenigen Minuten konsequent investieren, bevor Sie etwas teilen.

Was mache ich, wenn ich selbst eine Falschmeldung geteilt habe?

Erstens: Keine Panik – das passiert selbst erfahrenen Journalist:innen gelegentlich. Zweitens: Korrigieren Sie es umgehend und transparent. Posten Sie eine Richtigstellung mit den korrekten Informationen und erklären Sie, warum Sie die ursprüngliche Meldung für wahr hielten. Löschen Sie den ursprünglichen Post nicht einfach kommentarlos – das wirkt, als wollten Sie etwas vertuschen. Drittens: Nutzen Sie es als Lerngelegenheit. Analysieren Sie, warum Sie darauf hereingefallen sind, und passen Sie Ihre Verifikationsmethoden entsprechend an. Menschen respektieren Ehrlichkeit und die Bereitschaft, Fehler zuzugeben.

Sind alle Informationen in Social Media grundsätzlich unzuverlässig?

Nein, das wäre eine zu pauschale Aussicht. Viele etablierte Medien, Journalist:innen, Expert:innen und Institutionen nutzen Social Media als legitimen Verbreitungskanal. Das Problem ist nicht die Plattform selbst, sondern die fehlende redaktionelle Kontrolle – jeder kann dort alles behaupten. Die Lösung: Behandeln Sie Social Media als Hinweisgeber, nicht als Quelle. Wenn Sie dort auf eine interessante Information stoßen, folgen Sie dem Link zur Originalquelle und überprüfen Sie diese. Nutzen Sie Social Media für Themenentdeckung, aber verifizieren Sie immer extern, bevor Sie der Information vertrauen oder sie weiterverbreiten.

Wie erkläre ich Familienmitgliedern oder Freunden, dass sie Fake News teilen, ohne sie zu beleidigen?

Das ist tatsächlich eine der schwierigsten Situationen. Mein Ansatz: Fokussieren Sie auf die Information, nicht auf die Person. Sagen Sie nicht "Du verbreitest Fake News", sondern "Diese Information scheint nicht zu stimmen, schau mal, was ich dazu gefunden habe." Teilen Sie Links zu seriösen